Nun sind sie seit eini­gen Wochen im Amt: die neu­en Gremien. Sowohl in der Mitarbeitervertretung als auch in den Aufsichtsgremien. Wie ist es bei Ihnen? Blieb alles beim Alten? Ist alles anders? Oder irgend­et­was dazwi­schen?

Persönlich habe ich oft erlebt, dass zu Beginn einer neu­er Periode Aufbruchstimmung herrscht. Alle sind enthu­si­as­tisch, gehen freund­lich und respekt­voll mit­ein­an­der um und es keimt ein wenig Optimismus auf, dass es die­ses Mal viel­leicht anders wird.

Ob es gelingt, dass die Zusammenarbeit tat­säch­lich lang­fris­tig kon­struk­tiv und posi­tiv ver­lau­fen wird, ist oft schwer vor­aus­zu­se­hen. Es gibt aber einen Punkt, der in vie­len Situationen die Zusammenarbeit beein­flusst: die Rollenklarheit. Und sie hat ver­schie­de­ne Ausprägungen

  1. Die Grundhaltung der Rolle: ein Betriebsrat sieht Veränderungen im Betrieb aus einer ganz ande­ren Blickrichtung als eine Geschäftsführung. Das ist völ­lig nor­mal. Und mit der Haltung: jeder hat sei­nen Standpunkt und von dem aus wird argu­men­tiert – das hält uns aber nicht davon ab, auch den ande­ren Standpunkt zu ver­ste­hen und es zu akzep­tie­ren, dass der ande­re auf sei­nem Standpunkt steht.
  2. Die Grenzen der jewei­li­gen Rolle: wie oft pas­siert es lei­der jedem von uns, dass die Möglichkeiten, die eine Tätigkeit uns bie­tet, uns „zu Kopf stei­gen“ und wir den­ken, dass wir weit mehr beein­flus­sen kön­nen, als uns objek­tiv mög­lich ist. So kann es pas­sie­ren, dass wir „aus der Rolle fal­len“ und das stört meis­tens die­je­ni­gen, in des­sen Kompetenzbereich wir damit ein­grei­fen. Geschäftsführungen und Vorstände schät­zen es in der Regel nicht, wenn Aufsichtsräte sich ins ope­ra­ti­ve Geschäft ein­brin­gen. Dadurch ent­steht viel Frust und es führt nicht zuletzt dazu, dass man Informationen zurück­hält, um den ande­ren von der Wiederholung abzu­hal­ten.
  3. Klärung der Erwartungen: gera­de zu Beginn einer neu­en Periode ist die Klärung der Erwartungen sehr wich­tig. for­mal soll­te im Rahmen von Geschäftsordnungen geklärt sein, wo die Grenzen der jewei­li­gen Rollen lie­gen. Komplexer ist es jedoch, die unaus­ge­spro­che­nen und ver­deck­ten Erwartungen zu fas­sen zu bekom­men. Was treibt einen Betriebsratsvorsitzenden wirk­lich an? Will er den Betrieb vor­an­brin­gen und die Mitarbeitenden gut ver­tre­ten? Oder hat er selbst schon mal schlech­te Erfahrungen gemacht und wird davon ange­trie­ben, Gerechtigkeit schaf­fen zu wol­len? Und wie ist es mit mir? Will ich die „Gegenseite“ mög­lichst gut steu­ern und ver­sor­ge sie so mit Informationen, dass ich ver­meint­lich unnö­ti­gen Diskussionen aus dem Weg gehe? Um die ver­deck­ten Erwartungen her­aus­zu­fin­den, ist gutes zuhö­ren gefragt.

Aktuell sind wir noch in der Phase, in der wir ein gutes Fundament für die Zusammenarbeit legen kön­nen. Dabei hilft auf jeden Fall ‑wie bei jeder Begegnung und jeder Kommunikation- die Grundeinstellung der Transaktionsanalyse: Ich bin okay – du bist okay. Kurz erklärt besagt sie, dass vie­les leich­ter fällt, wenn wir jedem Menschen in der Haltung begeg­nen, dass wir alle in Ordnung sind. Natürlich kann es den­noch vor­kom­men, dass jemand sich nicht so ver­hält, wie wir uns das wün­schen – das macht ihn aber noch nicht zu einem schlech­ten Menschen. Diese Grundhaltung för­dert einen respekt­vol­len und freund­li­chen Umgang und trägt –wenn die durch das gesam­te Unternehmen aus­ge­rollt wird- zu einer guten und kon­struk­ti­ven Unternehmenskultur bei.