Ambulantisierung ist eines der Top-Themen in Krankenhäusern bei der Transformation. Dabei gibt es viele Ansätze: Hybrid-DRGs, sektorenübergreifende Versorgung und MVZs. Die MVZs als ältesten Baustein beleuchten wir heute. Denn wenn es nicht gelingt, sie wirtschaftlich zu führen, wird es vermutlich mit den anderen Ansätzen auch nicht gelingen. Weil zu viele Krankenhaus-Strukturen und ‑Prozesse verwendet werden.
MVZ: Vom Ergänzungsbaustein zum strategischen Instrument
Den ersten Schritt in Richtung Ambulantisierung haben viele Krankenhäuser schon vor Jahren mit der Gründung von MVZs gemacht. Inzwischen sind sie längst mehr als ein ergänzender Baustein in der Versorgung. Sie sind strategische Instrumente für Zuweiserbindung, ambulante Leistungsentwicklung und Personalgewinnung.
Gleichzeitig zeigt sich, dass MVZ häufig nicht erst im laufenden Betrieb unter wirtschaftlichen Druck geraten, sondern vielfach bereits von Beginn an nicht kostendeckend arbeiten. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass Mitarbeitende oftmals Krankenhaus-Routinen übernehmen, statt die Abläufe und Effizienzstandards der niedergelassenen Versorgung und der KV-Systematik anzuwenden. In Kombination mit steigenden Personalkosten, regulatorischen Anforderungen und einem anspruchsvollen Erlösumfeld entsteht so eine wirtschaftliche Schieflage, die strukturell bedingt ist.
Für Krankenhausgeschäftsführer bedeutet das: Ein MVZ ist nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn es konsequent strategisch geführt und betriebswirtschaftlich professionell gesteuert wird.
Auch wenn ein MVZ häufig weniger als 5 % des Krankenhausumsatzes erwirtschaftet und damit wie ein „kleiner Fisch“ erscheint, erfüllt es eine wichtige Funktion: Es ermöglicht die Auseinandersetzung mit ambulanten Regularien, die bei der fortschreitenden Ambulantisierung eine entscheidende Rolle spielen werden – und bietet die Chance, eine der vielen Baustellen im Krankenhaus aktiv zu gestalten.
Strategische Einbettung als Erfolgsfaktor
Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt in der strategischen Einbettung des MVZ in die Gesamtentwicklung des Hauses. Isoliert betriebene MVZ kämpfen häufig mit schwankenden Ergebnissen und ineffizienten Strukturen. Anders ist es, wenn das MVZ klar auf die Ziele des Krankenhauses einzahlt – sei es durch
- die Stärkung von Zuweiserbeziehungen
- die Ergänzung diagnostischer oder therapeutischer Angebote
- oder die Sicherstellung der ambulanten Versorgung im regionalen Umfeld.
Besonders in ländlichen Regionen ist die MVZ-Struktur inzwischen ein wesentliches Element der Versorgungsstabilität und zugleich ein Rekrutierungsinstrument für zukünftiges Fachpersonal.
Die richtige Fachrichtung als wirtschaftlicher Hebel
Auf betriebswirtschaftlicher Ebene entscheidet vor allem die Kassensitzauswahl über Erfolg oder Misserfolg.
Fachbereiche wie Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Urologie, Gastroenterologie und vor allem Radiologie zeigen sich erfahrungsgemäß stabil und nachfragestark. Sie erlauben eine gute Delegierbarkeit medizinischer Tätigkeiten und verfügen über ein breites Spektrum abrechenbarer Leistungen.
Anspruchsvollere Fachrichtungen wie Pädiatrie oder Psychotherapie können ebenfalls sinnvoll sein, benötigen jedoch eine besonders klare Steuerung und sollten vor allem dann betrieben werden, wenn sie versorgungsstrategisch erforderlich sind.
Controlling: Der oft unterschätzte Erfolgsfaktor
Ein häufig unterschätzter Punkt ist das Controlling. Viele MVZ werden weniger professionell gesteuert als das Krankenhaus selbst. Für die Krankenhausverwaltung handelt es sich häufig um eine lästige Nebentätigkeit. Ein echtes Management findet nicht statt.
Wirtschaftliche Stabilität entsteht jedoch nur, wenn Kennzahlen konsequent erhoben und analysiert werden. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Schwache Ergebnisse sind selten Folge mangelnder medizinischer Qualität, sondern Ausdruck fehlender Steuerungsdisziplin.
Prozesse, Organisation und Digitalisierung
Mindestens ebenso entscheidend sind prozessuale und organisatorische Strukturen. Effiziente Terminplanung, standardisierte Abläufe, eine klare Verantwortungsverteilung und durchdachtes Delegationsmanagement sind zentrale Hebel für Produktivität und Patientenzufriedenheit.
Die Digitalisierung unterstützt diese Prozesse – etwa durch:
- digitale Befundverwaltung,
- Online-Terminvergabe
- oder die Nutzung von Videosprechstunden.
Was im Krankenhaus aufgrund regulatorischer Vorgaben oft schwer umsetzbar erscheint, ist im MVZ ein wichtiger Wettbewerbsfaktor gegenüber gut organisierten Arztpraxen.
All diese Maßnahmen helfen, die Ressource Zeit optimal zu nutzen und die MFAs zu entlasten, deren Gewinnung und Bindung inzwischen zu den größten Herausforderungen gehört. Qualifizierte MFAs sind ein maßgeblicher wirtschaftlicher Erfolgsfaktor.
Ambulante Erlöspotenziale konsequent nutzen
Mit Blick auf die Krankenhausreform gewinnen zudem ambulante Erlöspotenziale an Bedeutung. Selbstzahlerleistungen, konsequente GOÄ-Nutzung, strukturierte Behandlungsprogramme oder die Teilnahme an Hausarztverträgen können die wirtschaftliche Basis eines MVZ spürbar stärken – vorausgesetzt, sie werden regelkonform, medizinisch sinnvoll und transparent gestaltet.
Verzahnung von MVZ und Krankenhaus
Schließlich ist die Verzahnung zwischen MVZ und Krankenhaus ein entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Eine enge Zusammenarbeit bei Diagnostik, Infrastruktur, Weiterbildung und Patientensteuerung schafft Synergien, reduziert Doppelstrukturen und stärkt die Versorgungskontinuität.
Fazit: Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Zufall
Insgesamt zeigt sich: Wirtschaftlich erfolgreiche MVZ entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis klarer strategischer Entscheidungen, professioneller Führung, transparenter betriebswirtschaftlicher Prozesse und einer konsequenten Ausrichtung auf die zukünftigen Anforderungen des ambulanten Sektors. Für Krankenhäuser liegt hier ein wesentliches Potenzial – sowohl zur Stabilisierung der eigenen wirtschaftlichen Basis als auch zur Gestaltung regionaler Versorgung.
Beratung mit sektorübergreifender Expertise
Auf diesem speziellen Gebiet ist es schwierig, eine kompetente Beratung zu finden. Gute Berater für Arztpraxen und MVZs verfügen häufig nicht über Krankenhauskompetenz – und umgekehrt.
Dr. Schauer – beraten und steuern – ist die größte Heilberufeberatung in Bayern. Gemeinsam mit unserer Klinikberatung sind wir Experten in beiden Sektoren und haben dadurch intern dieselben Synergieeffekte, wie MVZs sie an den angegliederten Krankenhäusern erzielen können. Gerne können Sie ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren.