Im ersten Teil dieser Serie haben wir das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) als strategische Option beleuchtet. Heute rückt die sektorengleiche Vergütung in den Mittelpunkt. Mit der gesetzlichen Einführung und der kontinuierlichen Ausweitung der Hybrid-DRGs sollen stationäre Fälle gezielt in den ambulanten Sektor verlagert werden. Für Krankenhäuser bedeutet das mehr als eine reine Abrechnungsfrage: Diese Transformation erfordert eine grundlegende betriebswirtschaftliche und organisatorische Neuausrichtung.
Die Ausgangslage: Was sind Hybrid-DRGs?
Hybrid-DRGs (Diagnosis Related Groups) basieren auf dem Prinzip der sektorengleichen Vergütung. Das heißt: Ein definierter medizinischer Eingriff wird mit einer festen Pauschale vergütet – unabhängig davon, ob er in einer vertragsärztlichen Praxis, einer Praxisklinik oder im Krankenhaus erbracht wird.
Der Gesetzgeber verfolgt damit ein klares Ziel: Fehlanreize für unnötige stationäre Aufnahmen sollen abgebaut und die Ambulantisierung des deutschen Gesundheitssystems nach internationalem Vorbild beschleunigt werden. Die Vergütung umfasst dabei standardmäßig alle prä‑, intra- und postoperativen Leistungen innerhalb eines engen Zeitfensters rund um den Eingriff.
Die Herausforderungen für Krankenhäuser
In der Theorie setzt das System auf standardisierte, schlanke Prozesse. In der Praxis stößt es im komplexen Krankenhausbetrieb jedoch auf spezifische Probleme, die oft nicht kostendeckend sind:
- Infrastruktur- und Vorhaltekosten: Die Pauschalen orientieren sich an den schlanken Strukturen ambulanter Praxen. Krankenhäuser müssen jedoch die immensen Fixkosten eines 24/7‑Betriebs – Notfallbereitschaft, Intensivmedizin und Intensivpflege – über das Gesamtsystem querfinanzieren. Mit reinen Hybrid-Erlösen ist das rechnerisch kaum möglich.
- Hohe Sachkostenkomponente: Bei vielen chirurgischen und kardiologischen Hybrid-Eingriffen machen die Kosten für Implantate, Katheter oder Einweg-Instrumente einen überproportional hohen Anteil der Gesamtpauschale aus. Da diese Sachkosten starr gedeckelt sind, verringert sich die verbleibende Marge für Personal und Betrieb erheblich.
- Patientenstruktur und Risikoprofil: Kliniken behandeln im Schnitt ältere und multimorbide Patienten. Der dadurch entstehende pflegerische, logistische und soziale Mehraufwand wird durch die sektorengleiche Pauschale nicht differenziert abgebildet. Zudem sind Zusatzentgelte im Hybrid-System weitgehend ausgeschlossen.
Strategische Lösungsmöglichkeiten
Damit Hybrid-DRGs wirtschaftlich tragfähig werden, empfiehlt sich eine proaktive Anpassung der internen Strukturen und Prozesse an die ambulanten Rahmenbedingungen:
- Prozessuale und räumliche Entkopplung: Spezialisierte ambulante OP-Einheiten, die vom stationären Betrieb getrennt sind, senken die Prozesskosten drastisch. Durch schlanke, industriell geprägte Abläufe lassen sich die Fallkosten an das ambulante Vergütungsniveau anpassen.
- Kulturwandel und Mindset: Ambulantisierung erfordert ein radikales Umdenken des Personals. Im ambulanten Setting müssen Ärzte und Pflegekräfte den klassischen „Krankenhaus-Modus” mit seinem Fokus auf maximaler Absicherung und langen Überwachungszeiten ablegen. Dieser Wandel ist für viele Teams schwierig und emotional besetzt. Ein gezieltes Change-Management hilft, ein „ambulantes Mindset” zu etablieren – mit straffer Taktung, schneller Mobilisation und standardisierten Entlasspfaden.
- Präzises Deckungsbeitrags-Controlling: Eine tagesaktuelle, transparente Verknüpfung von Erlös‑, Sachkosten- und Zeitleistungsdaten pro Hybrid-Fall schafft die nötige Steuerungsgrundlage. Nur so lassen sich defizitäre Leistungsarten identifizieren und das Portfolio gezielt ausrichten.
- Strategisches Schnittstellenmanagement: Eine enge Verzahnung mit dem bereits etablierten klinikeigenen MVZ oder nachgelagerten ambulanten Partnern sichert eine lückenlose, kosteneffiziente Vor- und Nachsorge außerhalb der teuren Kernklinik-Infrastruktur.
Fazit
Die Hybrid-DRG ist ein zentraler Baustein der Ambulantisierung. Krankenhäuser, die ihre Kostenstrukturen präzise analysieren, ihre OP-Prozesse konsequent auf ambulante Effizienz trimmen und ihre Mitarbeiter auf diese kulturelle Veränderung vorbereiten, können diesen Strukturwandel erfolgreich meistern.
Als größter Heilberufeberater in Bayern verfügen wir über eine fundierte und langjährige Expertise in der Beratung ambulanter Strukturen. Wir kennen beide Welten – die Kliniklandschaft und den ambulanten Sektor – und begleiten Sie zielsicher durch diesen Transformationsprozess.
Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, an welchen Stellen Hybrid-DRGs Ihre Klinik finanziell belasten und wie wir Ihre Prozesse, Ihr Controlling und vor allem Ihre Teams zukunftsfähig aufstellen.