Steigende Kosten, wachsende regulatorische Anforderungen, knappere Margen: Der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser nimmt zu. Gerade die Wahlleistungsabrechnung gerät dabei in den Fokus – als wichtiger Baustein der finanziellen Stabilität und zugleich eine der Stellen, an denen berechtigte Erlöse am häufigsten verloren gehen. Meist nicht, weil zu wenig geleistet würde, sondern weil erbrachte Leistungen zwischen Behandlung, Dokumentation und Abrechnung nicht vollständig ankommen.
Warum diese Lücken weniger an der Abrechnung als an den vorgelagerten Prozessen entstehen, darüber haben wir mit Tim Seils von der PVS SÜDWEST gesprochen – einer ärztlichen Gemeinschaftseinrichtung und einem der führenden Dienstleister für die Abrechnung ärztlicher Leistungen in den Bereichen GOÄ, UV-GOÄ und Hybrid-DRG. Seit über einem Jahrhundert begleitet sie Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, MVZ und Labore bei der Sicherung ihrer Honorarforderungen – nach dem eigenen Anspruch „Von Ärzten. Für Ärzte.“. Mehr Informationen unter www.pvs-suedwest.de.
1. Relevanz & Problemstellung
Sarah Heinze: Warum ist die Wahlleistungsabrechnung aktuell ein so wichtiges Thema für Krankenhäuser?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Die Wahlleistungsabrechnung ist für viele Krankenhäuser ein zentraler Baustein der wirtschaftlichen Stabilität. Steigende Personal‑, Sach- und Energiekosten erhöhen den Druck auf die Erlössituation der Kliniken, während regulatorische Anforderungen kontinuierlich wachsen. Nachlässigkeiten in Prozessabläufen oder in der Dokumentation können dabei zu Liquidationsausfällen führen.
Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel zwischen erbrachten medizinischen Leistungen, der Dokumentation und der Abrechnung. Nur wenn diese Bereiche optimal aufeinander abgestimmt sind, können erbrachte Leistungen vollständig und rechtssicher realisiert werden. Klar definierte Prozesse bilden somit die Grundlage für eine wirtschaftliche Stabilität.
2. Nutzen & Wirtschaftlichkeit
Sarah Heinze: Was konkret gewinnen Krankenhäuser, wenn sie ihre Prozesse in der Wahlleistungsabrechnung optimieren?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Optimierte Prozesse führen zu einer nahezu vollständigen Leistungserfassung, einer höheren Abrechnungsqualität und zu einer schnelleren Rechnungsstellung. Dadurch verbessern sich sowohl die Erlössituation als auch die Liquidität des Krankenhauses. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für Nachbearbeitungen, Rückfragen und Monierungen.
Darüber hinaus schaffen standardisierte Abläufe Transparenz und ermöglichen eine bessere Steuerung der gesamten Erlöskette. Der eigentliche Mehrwert liegt also darin, wirtschaftliche Potenziale zu sichern, ohne zusätzliche Leistungen erbringen zu müssen.
Messbare Ergebnisse
Sarah Heinze: Welche messbaren Ergebnisse sehen Sie in der Praxis?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Unsere Erfahrungen zeigen, dass Prozessoptimierungen häufig dazu führen, bisher nicht abgerechnete Leistungen abrechenbar zu machen und Bearbeitungszeiten spürbar zu verkürzen. Die verbesserte Datenqualität und Nachvollziehbarkeit der Abrechnung reduzieren Rückfragen deutlich. Organisatorische Verbesserungen erzeugen somit unmittelbar wirtschaftliche Effekte.
3. Schwachstellen im Prozess
Sarah Heinze: Wo liegen die größten Schwachstellen in bestehenden Prozessen?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Die größten Herausforderungen entstehen meist an den Schnittstellen zwischen Leistungserbringung, Dokumentation und Abrechnung. Fehlende Informationen, unvollständige Leistungsnachweise oder Medienbrüche führen dazu, dass erbrachte Leistungen nicht vollständig in die Abrechnung einfließen. Hinzu kommen häufig unterschiedliche Arbeitsweisen zwischen Fachabteilungen oder Standorten. Dadurch entstehen Informationsverluste und unnötige Verzögerungen. In vielen Fällen liegt das Problem nicht in der Abrechnung selbst, sondern in den vorgelagerten, nicht standardisierten Prozessen.
Sarah Heinze: Was sind die sensiblen oder heiklen Punkte bei der Anpassung?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Prozessanpassungen betreffen unmittelbar die Mitarbeitenden und ihre bestehenden Routinen. Deshalb ist es entscheidend, Veränderungen transparent zu kommunizieren und die Beteiligten frühzeitig einzubinden. Ziel ist nicht zusätzliche Bürokratie, sondern die Vereinfachung von Abläufen und die Sicherung berechtigter Erlöse. Besonders sensibel wird es, wenn etablierte Arbeitsweisen hinterfragt werden müssen. Erfolgreiche Veränderungen entstehen daher nicht durch Vorgaben allein, sondern durch Akzeptanz, Verständnis und gemeinsame Zielsetzungen.
4. Warum Projekte scheitern
Sarah Heinze: Woran scheitern Optimierungsprojekte am häufigsten?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Die Ursache liegt selten in fachlichen oder technischen Fragestellungen. Häufiger fehlen klare Verantwortlichkeiten, ein gemeinsames Ziel oder die konsequente Umsetzung definierter Maßnahmen.
Prozesse müssen im Alltag vor allem gelebt werden. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass Führungskräfte und Mitarbeitende gleichermaßen hinter den Veränderungen stehen und deren Nutzen erkennen.
5. Zusammenarbeit mit der PVS Südwest
Sarah Heinze: Wenn Sie ein neues Mandat übernehmen: Wie gehen Sie konkret vor?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Zu Beginn analysieren wir die bestehenden Abläufe, die Datenstrukturen und organisatorischen Rahmenbedingungen. In enger Abstimmung mit dem Krankenhaus helfen wir bei der Bestimmung und Umsetzung von Optimierungspotenzialen. Dabei betrachten wir die gesamte Prozesskette – von der Aufnahme über die Dokumentation bis zur Abrechnung. Unser Ziel ist es, nachhaltige Lösungen zu etablieren, die sich nahtlos in die bestehenden Strukturen integrieren lassen.
6. Daten & Schnittstellen
Sarah Heinze: Wie gut funktioniert die Datenübernahme aus dem KIS?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Die technische Datenübernahme aus modernen Krankenhausinformationssystemen funktioniert heute in den meisten Fällen zuverlässig und reibungslos. Herausforderungen entstehen jedoch häufig durch unterschiedliche Datenqualitäten, individuelle Systemlandschaften oder historisch gewachsene Prozesse. Die Qualität der Abrechnung beginnt immer mit der Qualität der zugrunde liegenden Informationen. Eine saubere Datenstruktur ist die Voraussetzung für effiziente und rechtssichere Prozesse.
7. Zukunft & KI
Sarah Heinze: Welche Rolle kann KI künftig in der Wahlleistungsabrechnung spielen?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Künstliche Intelligenz kann die Wahlleistungsabrechnung in den kommenden Jahren spürbar verändern. Insbesondere bei Plausibilitätsprüfungen, der Analyse großer Datenmengen oder der Identifikation von Auffälligkeiten bietet sie erhebliche Potenziale. Dadurch können Bearbeitungszeiten reduziert und Qualitätsstandards weiter erhöht werden. Dennoch bleibt die fachliche Bewertung komplexer Sachverhalte Aufgabe erfahrener Spezialisten. KI wird den Menschen unterstützen, aber nicht ersetzen.
8. Erfolgsfaktoren
Sarah Heinze: Was macht einen wirklich guten Abrechnungsprozess aus?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Ein leistungsfähiger Abrechnungsprozess basiert auf drei zentralen Säulen: vollständige Dokumentation, klare Verantwortlichkeiten und hohe fachliche Kompetenz. Darüber hinaus ist die enge Zusammenarbeit zwischen medizinischen, administrativen und abrechnungsrelevanten Bereichen entscheidend. Nur wenn alle Beteiligten dieselben Qualitätsstandards verfolgen, können Leistungen vollständig, rechtssicher und wirtschaftlich erfolgreich abgerechnet werden.
9. Durchsetzung & Erlössicherung
Sarah Heinze: Unter welchen Voraussetzungen lassen sich Forderungen erfolgreich durchsetzen?
Tim Seils (PVS SÜDWEST): Die Grundlage einer erfolgreichen Forderungsdurchsetzung wird lange vor der Rechnungsstellung geschaffen. Entscheidend sind eine rechtssichere Wahlleistungsvereinbarung, eine vollständige Dokumentation und eine fachlich korrekte Abrechnung. Darüber hinaus spielt die Transparenz gegenüber Patienten, Versicherungen und Beihilfestellen eine wichtige Rolle. Je nachvollziehbarer die Abrechnungen sind, desto höher ist die Akzeptanz der Forderung. Die Durchsetzungsquote entscheidet sich deshalb nicht erst beim Zahlungseingang, sondern bereits in der Qualität der vorgelagerten Prozesse.
Fazit
Das Gespräch macht eines deutlich: Verlorene Erlöse in der Wahlleistungsabrechnung sind selten ein fachliches oder technisches Problem – sie entstehen an den Schnittstellen zwischen Leistungserbringung, Dokumentation und Abrechnung. Wo Informationen fehlen, Nachweise unvollständig sind oder Abteilungen unterschiedlich arbeiten, fließen erbrachte Leistungen nicht vollständig in die Abrechnung ein.
Der Hebel liegt damit in klar definierten, gelebten Prozessen: vollständige Dokumentation, eindeutige Verantwortlichkeiten und eine enge Abstimmung zwischen medizinischen, administrativen und abrechnungsrelevanten Bereichen. So lassen sich die Leistungserfassung verbessern, Bearbeitungszeiten verkürzen und berechtigte Forderungen zuverlässiger durchsetzen – ohne Mehraufwand in der Behandlung. Künstliche Intelligenz kann diese Entwicklung künftig zusätzlich unterstützen, etwa bei Plausibilitätsprüfungen und Datenanalysen, während die fachliche Bewertung in der Hand erfahrener Spezialisten bleibt.
Wenn auch Sie Ihre Wahlleistungsabrechnung auf den Prüfstand stellen und ungenutzte Erlöspotenziale sichern möchten, steht Ihnen die PVS SÜDWEST gerne zur Seite. Sprechen Sie das Team bei Fragen oder für eine erste Einschätzung jederzeit an:
Ihr Klinikexperte der PVS SÜDWEST
Tim Seils
tim.seils@pvs-suedwest.de